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buildings IX

wright | individualism
2020

Die Serie „wright | individualism“ zeigt die acht Bauten Frank Lloyd Wrights, die im Juli 2019 von der UNESCO in die Weltkulturerbeliste aufgenommen wurde. Frank Lloyd Wright (1867 – 1959) gilt als bedeutendster amerikanischer Architekt des 20. Jahrhundert, der starken Einfluss auf die Entwicklung auch europäischer Architektur genommen hat. Er ist einer der wichtigsten Vertreter der „organischen Architektur“, eines Stils, der im 18. Jahrhundert seinen Ursprung hat und im 20. Jahrhundert von einer Reihe von Architekten aufgenommen wurde und ihn entsprechend ihrer ideologischen Ausrichtung verschieden interpretierten. So gehörten ihr z. B. auch Gaudi oder anthroposophische Architekten an. Die „organische Architektur“ gehört neben anderen avantgardistischen Strömungen zur Epoche der „Klassischen Moderne“, die ungefähr von 1920 bis 1968 datiert. Ihre Hauptkennzeichen waren u. a. die Harmonie zwischen Bau und Umwelt sowie die Verwendung natürlicher Baustoffe. Dieses trifft ganz besonders auf Wrights Interpretation organischer Architektur zu. Die starke Beziehung zwischen Gebäude und Landschaft prägt seine meisten Entwürfe: „Für jeden Ort eine individuelle Formensprache.“
Von Wrights 500 verwirklichten Projekten sind heute noch ungefähr 400 erhalten. Die Aufnahme der acht Bauten von Frank Lloyd Wright auf die Weltkulturerbeliste der UNESCO soll nicht nur helfen diese zu erhalten, sondern auch alle übrigen, die sich zum Teil in einem desolaten Zustand befinden.

Dier Unity Temple entstand zwischen 1905 bis 1909 in Oak Park, einem vornehmen Vorort von Chicago, in dem Wright selbst lebte und arbeitete. Nachdem die alte unitarische Kirche den Flammen zum Opfer gefallen war fragte die Gemeinde Wrights Mutter, die dieser religiösen Bewegung angehörte, ob ihr Sohn den Neubau übernehmen könne. Der Unity Temple gilt als erster moderner Sakralbau Amerikas, da Wright Beton und Stahlbeton verwendete, ein seinerzeit neuer Baustoff, der zuvor vor allem für Industriegebäude eingesetzt worden war. Grund für Wrights Entscheidung für diesen Baustoff waren allerdings nicht nur sein revolutionärer Geist, sondern auch die Kosten. Beton war billig, und es stand nur wenig Geld für den Bau zur Verfügung.

Das Frederick C. Robie House entstand 1909/10 nahe der Universität Chicago. Es gilt als berühmtestes von Wrights Prairie-Houses, von denen er insgesamt ca. 100 baute. Mit den Prairie-Houses versuchten Wright und noch einige andere Architekten einen typisch amerikanischen Architekturstil zu schaffen im Gegensatz zum Neoklassizismus, der damals vorherrschte. Alle Entwürfe waren geprägt von einer Betonung der Horizontalen, die an die Weiten der Prärie, der Urlandschaft Amerikas schlichthin, erinnern sollten. Ferner stand in diesen zweistöckigen Häusern der Kamin im Mittelpunkt. Er war geplant als der Ort, an dem die Familie sich versammelte. Ein weiteres Markenzeichen waren die „fließenden“, ineinander gehenden und zum Garten hin sich öffnenden Räume, wie sie auch in japanischen Häusern zu finden sind. Dieser Einfluss überrascht, aber Wright interessierte sich schon in seiner Jugend für japanische Kultur und sammelte seit 1905 japanische Kunst. Zeitweise verdiente er mit dem Handel dieser mehr als mit seiner architektonischen Arbeit.
Wright gestaltete oft auch die Inneneinrichtung und die Möbel seiner Häuser, so bei diesem Gebäude den sogenannten Robie Chair, der heute noch hergestellt und verkauft wird.

Taliesin oder Taliesin East baute Wright 1911 in einer ländlichen Gegend in Wisconsin, die er schon aus seiner Kindheit kannte. Das Anwesen, das auf einem Hügel errichtet wurde, ist in Würdigung seiner walisischen Vorfahren nach dem walisischen, aus dem 6. Jahrhundert stammenden Dichter Taliesin benannt. Es besteht aus seinen persönlichen Wohnräumen, seinem Studio und einer bis heute bestehenden Architekturschule. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich das Anwesen häufig verändert. 1914 wurde es durch ein Feuer zerstört, das ein Angestellter legte, nachdem er sieben Bewohner, darunter Wrights damalige Geliebte und ihre beiden Kinder, ermordet hatte. Wright ließ die Gebäude wieder aufbauen. 1925 brannte es erneut ab, diesmal aufgrund eines technischen Defekts. Wieder erfolgte ein Wiederaufbau, Taliesin III, das bis heute steht. Bis zu seinem Tod ließ Wright an dem Anwesen immer wieder Baumaßnahmen vornehmen, 200 dokumentierte Änderungen liegen vor. Unglaubliche 524 Fenster im Haupthaus bringen dem Bewohner die umgebende Landschaft auf besondere Art nahe.

Die Planung des Hollyhock House in Los Angeles begann 1919. Es ist das zweite von zehn Gebäuden, die Frank Lloyd Wright in Kalifornien entwarf und bauen ließ. Auftraggeberin war Aline Barnsdall, eine Öl-Erbin und frühe Feministin, deren Vorliebe für Stockrosen (Hollyhock) stilbildend für dieses Gebäude wurde. Das Hollyhock House sollte ursprünglich Teil einer größeren Anlage für Kunst und Theater werden und Wohnort für sich und ihre Künstlerfreunde. Doch während der Entstehung des Gebäudes ließ die Begeisterung der Auftraggeberin immer mehr nach, zumal sich Wright meistens in Japan aufhielt, wo er das Imperial Hotel in Tokio baute, sodass sie den Architekten 1921, im Jahr der Fertigstellung, feuerte. Zwei weitere Architekten – die Österreicher Richard Neutra und Rudolf Schindler, die Wright stark beeinflusste und die später für die kalifornische Architektur bedeutend wurden – sprangen für ihn ein, letztlich beendete sein Sohn Lloyd Wright den Bau. Mit dem Hollyhock House wandte sich Wrights weiter vom Prairie Style ab und begann erstmals Dekor in Serie zu verwenden. Das Motiv der stilisierten Stockrose findet sich nicht nur in den Betonkacheln auf der Fassade, es ist auch in die Fenster eingearbeitet und Teil der Möblierung, z. B. in der Rückenlehne der Stühle. Das Hollyhock House ähnelt dem Unity Temple von 1909: Es besitzt eine ähnliche geometrisch-quadratische Form, es ist ähnlich nach außen hin abgeschlossen, es wurde ähnlich viel Beton verwendet. Die schrägen Wände des Hauses erinnern zudem an einen Maya-Tempel. Das Haus selbst ist aus Tonziegeln gebaut, innen mit Holz verkleidet. Die Tonziegel erwiesen sich als problematisches Baumaterial, sodass das Hollyhock House im Laufe der hundert Jahres seines Bestehens immer wieder renoviert werden musste.
Oft wird das Hollyhock House mit dem Ennis House verwechselt, das wenige Kilometer entfernt steht. Letzteres war Schauplatz einiger bekannter Filme wie Blade Runner oder Twin Peaks. Das Holllyhock House hingegen diente nur einmal als Kulisse fürs Kino und zwar für den B-Movie-Film „Cannibal Women in the Avocado Jungle of Death“.

Von komplett anderem Charakter ist das Herbert and Katherine Jacobs First House in Madison, Wisconsin, von 1937. Ein Bekannter Wrights, der Journalist Herbert Jacobs, bat ihn ein Haus für seinerzeit 5.000 Dollar zu bauen. Wright entwarf daraufhin ein einstöckiges, 140 m2 großes Wohnhaus in L-Form, mit einem großen Wohnraum und zwei Schlafzimmern, gebaut aus Ziegeln, versehen mit vielen Glastüren, die einen weiten Blick über die Landschaft bieten.
Es ist das erste von Wrights sogenannten Usonian Houses, von denen er ca. 50 baute. In insgesamt drei Büchern, das erste erschienen 1932, das letzte 1958, entwarf er die Utopie von „Usonia“, eines freiheitlich-demokratischen Amerika, föderal strukturiert, ohne überfüllte Großstädte. In der dezentralen, suburbanen Idealstadt „Broadacre City“ (Weite Stadt) – benannt nach dem nordamerikanischen Flächenmaß „Acre“ (entsprechend ca. 4.000 m2) – besäße jede Familie ein solches Grundstück mit einem kostengünstigen Häuschen von 90-140 qm, wo es autark leben kann.
Nach den Prairie Houses also eine weitere Wohnhaus-Serie. Beides sind explizit demokratische Bauprojekte, aber Grundlage dieser Entwürfe ist ebenfalls Wrights „organische Architektur“. Umgekehrt definierte Wright alle seine organischen Bauwerke als demokratisch, also auch die luxuriösen Villen, die Kirchen und anderen öffentlichen Bauten. Dies hat mit Wrights Auffassung von Demokratie zu tun. Er verabscheute Konformität, träumte von einer Welt, in der die Menschen Raum haben ihre Persönlichkeit frei zu entfalten – in einer Architektur, die dies unterstützt: „Organische (oder wesentliche) Architektur ist die freie Architektur der idealen Demokratie.“
Er orientierte sich auch an dem von seinem ehemaligen Chef Sullivan erdachten und berühmt geworden Slogan „form follows funktion“. Wright erweitert diese Forderung noch: Architektur soll sich nicht nur nach der Funktion des Gebäudes, sondern auch nach den Bedürfnissen und der Individualität seiner Bewohner ausrichten: „Für jedes Individuum einen individuellen Stil.“
Er selbst entwickelte mit den Jahren eine immer größer werdende, gestalterische Freiheit, erkennbar an seinen immer unkonventionelleren und phantasievolleren Entwürfen. Die letzten drei Gebäude auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes spiegeln dies eindrucksvoll wider.

Da Wright die Winter in Taliesin East allmählich zu kalt wurden, erwarb er 1937 in der Wüste Arizonas nahe Phoenix ein Grundstück, um hier ein Quartier für diese Jahreszeit zu errichten: Taliesin West. 1938 wurde das flache, weitläufige Anwesen errichtet, das sich perfekt in die staubige Wüstenlandschaft eingliedert. Wright bevorzugte heimische Baustoffe nicht nur aus architekturphilosophischen Gründen, sondern auch, ähnlich wie beim Beton, aus Kostengründen. Bei Taliesin West wird diese Vorliebe ganz besonders deutlich. Die Felssteine der Umgebung, die in die Mauern mit eingearbeitet wurden, sind deutlich sichtbar, das Holz der heimischen Redwood-Bäume dominiert die flachen, teils asymmetrischen Bauten, die insgesamt anmuten wie ein befestigtes indianisches Zeltlager. Wie in Taliesin East verfügt auch Taliesin West neben persönlichen Wohnräumen und einem Büro über ein Studio, in dem heute noch Studenten unterrichtet werden. Die Studenten der privaten „School of Architecture“, die von der hier ebenfalls ansässigen Frank Lloyd Wright Foundation betrieben wird, studieren von November bis März in Arizona, im restlichen Jahr in Wisconsin.

Es ist das wohl bekanntestes Wohnhaus der Welt: Fallingwater, ehemals Kaufmann-Haus, in den abgelegenen Wäldern im Südwesten Pennsylvanias gelegen. Unmittelbar nach seiner Fertigstellung 1937 widmete das Time Magazin Wright und seinem spektakulären Bau die Titelseite. Seit Fallingwater 1964 als Museum öffentlich zugänglich ist, nahmen über vier Millionen Besucher die lange Anfahrt auf sich, um diesen Ort zu besichtigen. Auftraggeber war seinerzeit der kunstbeflissene Kaufhausbesitzer Edgar J. Kaufmann, der sich ein Wochenend- und Ferienhaus mit Blick auf den Wasserfall des Flusses Bear Run wünschte. Bekanntermaßen konnte Wright ihn dazu überreden, dass Haus direkt in den Wasserfall zu bauen. Wie die meisten seiner Gebäude ist auch Fallingwater nach den Grundprinzipien der organischen Architektur gebaut: Zum einen verwendete Wright wieder heimische Baustoffe, hier insbesondere Steine: Sie bilden den soliden Kern von Fallingwater, dienen als Bodenbelag und umrahmen den Kamin. Zum anderen kombiniert er dies wie so oft mit breiten Fensterfronten und starken horizontalen Elementen, die eine Verbindung zwischen Haus und Landschaft herstellen, hier in Form von ausladenden Terrassen. Fast jedes Zimmer besitzt eine solche Terrasse. Sie prägen den Charakter dieses Gebäudes, sorgen aber seit der Fertigstellung für große bautechnische Probleme, da ihnen die nötige Stahlverstärkung fehlte. Immer wieder wurde diese nachgebessert. Insgesamt verschlingen die Renovierungsarbeiten an Fallingwater jährlich über eine Millionen Dollar. Wie bei vielen seiner anderen Bauwerke designte Wright auch hier die Inneneinrichtung.

Das Salomon R. Guggenheim Museum, kurz Guggenheim Museum genannt, ist eines der letzten von Frank Lloyd Wright entworfenen Gebäude und auch sein berühmtestes. Als es am 21.10.1959 eröffnet wurde war nicht nur der Architekt ein halbes Jahr zuvor schon 92-jährig gestorben, sondern auch der Auftraggeber Salomon R. Guggenheim, ein schwerreicher Industrieller mit einem ausgeprägten Interesse für Kunst. Bereits 17 Jahre zuvor hatte die Entwicklung des Projekts begonnen, doch Streitigkeiten mit der Baubehörde und die Inflation hatte die Realisation hinausgezögert. Auch war man sich lange über die Gestaltung des Gebäudes nicht einig. Wright fertigte 700 Skizzen an, bis die heutige Form erreicht wurde.
Das Museum ist das erste der Guggenheim Museen, von denen es heute zwei weitere gibt. Es befindet sich in Manhattan in New York in der Fifth Avenue, nah des Central Parks. Sein Hauptbau ist eine Rotunde, d. h. das Gebäude besitzt einen kreisförmigen Grundriss. Die sechs Etagen sind durch eine spiralförmige Rampe mit 3%iger Steigung miteinander verbunden. Die Betonringe in den Obergeschossen sind breiter, wodurch sich das Gebäude sich nach unten hin verjüngt und die typische Trichterform entsteht. Alle Etagen öffnen sich nach innen hin zu einem Atrium, das von einer Glaskuppel überdacht wird. Besucher sollen mit dem Fahrstuhl in das oberste Stockwerk fahren, wo die Ausstellung beginnt, und kreisförmig über die Rampe hinuntergehen.
Ideen für Gebäude in Spiral- oder Schneckenoptik hatte Wright schon in den 20ern Jahren, aber erst jetzt konnte er diese verwirklichen. Und noch mehr: Der Auftrag für das Guggenheim Museum schenkte Wright die Chance, seine Vorstellung von organischer Architektur zur Perfektion zu bringen. Hatte organische Architektur bisher für ihn bedeutet, Elemente der Natur in den Bau zu integrieren, wird der Bau nun in einem kühnen Schritt selbst fast zur Natur. Dieser Museumsbau steht für sich allein und kann angesehen werden als ein Sieg des Individualismus gegenüber der Konformität der Großstädte, die der Architekt so sehr verabscheute.
Das Guggenheim Museum wurde viel diskutiert und kritisiert, Wright selbst Arroganz und Größenwahn vorgeworfen, aber was man anerkennen muss, ist sein Mut und sein beispielloser Einfallsreichtum. Das New Yorker Gebäude fasziniert bis heute und legte quasi den Grundstein für die Ära spektakulärer Museumsbauten, wie sie heute auf der ganzen Welt entstehen.
Was meistens nicht berücksichtig wird ist, wie sehr Wrights Persönlichkeit und damit auch seine Arbeit geprägt war von seiner Religiosität. Wright stammte, wie anfangs kurz erwähnt, aus einer Familie von Unitariern, seine Vorfahren waren aktiv in diesem Glauben tätig, der die Dreifaltigkeitslehre von Gott als Einheit aus Vater, Sohn und Heiligen Geist ablehnt. Entstanden ist der Unitarismus aus der Reformation. Von Deutschland breitete sich die religiöse Strömung aus bis nach Amerika, wo sie im 19. Jahrhundert eine Blüte erlebte. Die Liste der bekannten Persönlichkeiten, die ihm angehörten ist lang. Fünf Präsidenten der USA waren Unitarier, ebenso die Schriftsteller Charles Dickens und Hermann Melville, der Chemiker Linus Pauling, Florence Nightingale, Albert Schweitzer war Ehrenmitglied, und selbst Thomas Mann, der ja lange in Amerika lebte, sympathisierte mit den Unitariern.
Der Unitarismus beeinflusste den Aufbruch in die amerikanische Moderne mit seinen Grundwerten von Freiheit, Demokratie und Individualität maßgeblich. Ergänzt wurde er durch den Transzendentalismus, einer Reformbewegung innerhalb des amerikanischen Unitarismus. Ihr Begründer Ralph Waldo Emerson schuf mit dem Transzendentalismus die erste originäre philosophische Schule der amerikanischen Kultur, die besonders Literatur und Politik entscheidend prägte. Der Transzendentalismus wollte weg von der institutionellen hin zur individuellen Religion. Wesentlich waren hierbei die Abkehr von der Bibel und die Hinwendung zur Natur als Offenbarung des Göttlichen. Ziel war es, kurz gesagt, dass der Mensch die innere Göttlichkeit seines Geistes mit der äußeren Göttlichkeit der Natur verbindet und so in die umfassende Einheit Gottes gelangt.
Es wird deutlich, dass Wright starker Bezug zur Natur nicht nur darauf gründet, dass er auf dem Land groß wurde, sondern auch, dass er mit diesen Vorstellungen aufwuchs. Und im Grunde blieb er ihnen sein Leben lang treu. Sie spiegeln sich nicht nur in seinen zahlreichen Kirchenbauten wider, sondern in allen seinen Häusern. Und er war auch mehr als ein Architekt, er war ein Künstler, der nach immer wahrhaftigerem Selbstausdruck strebte.
Die Architekturbilder von Elena Raulf zielen stets auf die spirituelle Qualität der Gebäude ab. Dies gelingt ihr, indem sie sie aus dem landschaftlichen, kulturellen und historischen Kontext löst und auf eine zeitlose Ebene hebt. Der Blick des Betrachters wird auf das Bauwerk selbst gelenkt, seine Eigenart, seine Essenz. Nichts überlagert die Atmosphäre, die es mit seinem Dasein erzeugt. So auch in der Bilderserie über Frank Lloyd Wrights acht Bauwerke, die auf die UNESCO-Weltkulturerbeliste aufgenommen wurden.
Zudem hat Elena Raulf in dieser Serie das Grundprinzip der organischen Architektur berücksichtigt und die Umgebung stärker miteinbezogen. Dies erfolgte insbesondere über die Farbwahl. Die Umgebung wird reduziert dargestellt als eine diffus strukturierte, monochrome Farbfläche im Hintergrund. Dem steht die stilisierte Fassade des Bauwerks gegenüber. Beide haben meistens dieselbe Farbe, lediglich die Helligkeit variiert.
Die Farbwahl erfolgte häufig in Bezug auf die Umgebung: blau wie der Wasserfall, in den Fallingwater hineingebaut wurde, grau wie das Häusermeer, in dem das Guggenheim seinen Platz gefunden hat, rotbraun wie die das Redwood-Holz von Taliesin West.
In der Psychologie gilt das Haus als ein Symbol des Selbst. Betrachtet man sowohl die Bilder von Elena Raulf im Licht dieser Idee als auch die Bauwerke Frank Lloyd Wrights ergibt sich ein tieferes Verständnis dieser Kunstwerke. Es geht um mehr als um Architektur und ästhetisches Vergnügen. Es sind Darstellungen, Bilder und Skulpturen, des Selbst, das einerseits unverwechselbare Individualität besitzt, andererseits Teil ist einer umfassenderen Einheit.