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buildings II

secret | future
2015 – 2016

Sieben Kirchen in Deutschland, vorwiegend gebaut im Stil des Brutalismus, der wesentlichen Architekturströmung der Nachkriegsmoderne.

Insbesondere von Mitte der 50er- bis Ende der 70er-Jahre prägte der Brutalismus das Bauen, nicht nur in Deutschland, sondern international. Das Wort Brutalismus leitet sich vom französischen Begriff „béton brut“, „roher Beton“ ab. Erstmals arbeitete der bekannte Architekt Le Corbusier in den Nachkriegsjahren in großem Stil mit dem Baustoff Beton und gilt somit als Wegbereiter dieser Architektur. Zur Eigenart der Gebäude des Brutalismus gehören jedoch nicht nur die roh gegossenen Betonwände bzw. der unverputzte Sichtbeton, sondern auch die Sichtbarmachung und Betonung der Baukonstruktion und bautechnischer Strukturen.

Das neue Konzept sowie die neuen Techniken erlaubten den Architekten ganz neue Weisen der architektonischen Gestaltung. So entstanden in diesen Jahrzehnten Gebäude von großer Formenvielfalt und oft geradezu skulpturaler Anmutung, die die Grenzen herkömmlichen Bauens sprengten und, obwohl vom Stoff her nüchtern und sachlich, mitunter eine starke monumentale Wirkung besitzen.

Von vielen als „seelenlose Betonklötze“ bezeichnet und von Abriss bedroht, hat sich in den letzten Jahren nichtdestotrotz eine Bewegung entwickelt, die mit vielen Ausstellungen und Aktionen auf den ästhetischen Wert der Gebäude des Brutalismus aufmerksam machen und sie bewahren möchte.

Auffallend viele Kirchen wurden im Nachkriegsdeutschland im Stil des Brutalismus gebaut. Durch die veränderten bautechnischen Möglichkeiten und damit verbundenen größeren künstlerischen Freiheiten konnten spirituelle Themen nun auf neue Art interpretiert und zum Ausdruck gebracht werden.

Es war insbesondere die skulpturale Eigenschaft dieser Kirchenbauten, die Elena Raulf reizte, das Thema künstlerisch zu interpretieren. „future“ steht hierbei für das seinerzeit zukunftweisende architektonische Konzept des Brutalismus, „secret“ für die durch die angewandte Technik erzeugte Atmosphäre des Geheimnisvollen. – Der Untergrund wurde zum Teil mehrfach eingefärbt, das Bild in mehreren Schichten aufgebaut. Die letzte Schicht bildet stets eine Lasur, die den klar konturierten Formen der Bauwerke durch weiche, amorphe Farbverläufe eine lebendige Struktur verleiht.

In der Kombination beider Elemente entsteht jeweils das Abbild einer Kirche, das den Widerspruch von Alt und Neu, den der Glaube in unserer Zeit ausgesetzt ist, exquisit spiegelt und darüber hinaus in der Einfachheit und Klarheit seiner Darstellung in der rein ästhetischen Wahrnehmung die Qualität des Erhabenen und Heiligen spürbar werden lässt.

Ellener Brok, 2015
Öl auf Leinwand
180 x 120 cm

Ellener Brok
Bremen, Deutschland
Architekt Hermann Brede
Bauzeit 1968-1969
Evangelische Kirche, 2015 entwidmet

Mariendom, 2015
Öl auf Leinwand
180 x 120 cm

Mariendom/Nevigeser Wallfahrtsdom
Neviges (Velbert), Deutschland
Architekt Gottfried Böhm
Bauzeit 1968
Katholische Wallfahrtskirche

Todesangst-Christi-Kapelle, 2016
Öl auf Leinwand
180 x 120 cm

Todesangst-Christi-Kapelle
Dachau, Deutschland
Architekt Josef Wiedemann
Bauzeit 1960
Katholische Kapelle auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers

Don Bosco, 2016
Öl auf Leinwand
180 x 120 cm

Don-Bosco-Kirche
Augsburg, Deutschland
Architekt Thomas Wechs
Bauzeit 1960-1965
Katholische Stadtpfarrkirche

St. Johannes XXIII, 2016
Öl auf Leinwand
180 x 120 cm

Kirche der KHG – St. Johannes XXIII
Köln, Deutschland
Architekt Hans Buchmann (in Zusammenarbeit mit dem Künstler Josef Rikus)
Bauzeit 1964
Kirche der Katholischen Hochschulgemeinde Köln

Pfingstbergkirche, 2016
Öl auf Leinwand
180 x 120 cm

Pfingstbergkirche
Mannheim, Deutschland
Architekt Carlfried Mutschler
Bauzeit 1962-1963
Kirche der evangelischen Immanuel-Pfingstberggemeinde

St. Maximilian-Kolbe-Kirche, 2016
Öl auf Leinwand
180 x 120 cm

St. Maximilian-Kolbe-Kirche
Hamburg, Deutschland
Architekt Jo Filke
Bauzeit 1972-1974
Katholische Filialkirche der Wilhelmsburger Kirche St. Bonifatius, 2015 Profanierung