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buildings I

romantic | past

2012 – 2014

Sieben Bauwerke: ein öffentliches Gebäude in Italien, ein religiöses im Irak, eine Burgruine in England, zwei Hotels, eins in Amerika, eins in Israel, zwei wahrscheinlich nie realisierte Bühnenbilder aus Italien und ein Pavillon von einem Kupferstich aus dem französischen Rokoko. Alle sind ältere Bauwerke mit einer besonderen Geschichte, ausgewählt jedoch überwiegend aufgrund ihrer Ästhetik. Etwas Geheimnisvolles, Rätselhaftes umgibt sie. Keines von ihnen ist Alltagsarchitektur, im Gegenteil, bei den abgebildeten Gebäuden handelt es sich um Prachtbauten, in denen die Menschen überwiegend nur zu Ausnahmeanlässen zusammenkamen und –kommen. Staatsangelegenheiten wurden hier besprochen, religiöse Riten vollzogen, rauschende Feste gefeiert, Feinden standgehalten oder auch nicht. Einige Gebäude scheinen ein regelrechtes Schicksal zu haben, wurden zerstört, waren Schauplatz von Tragödien oder blieben unverwirklicht. Unwillkürlich tritt man einen Schritt zurück: Obwohl die Bauwerke in dieser Form der Darstellung ihrer Dreidimensionalität beraubt sind, zeugen sie von Raum und beanspruchen ihn gleichzeitig.

Wie kann das sein? Wenn Architektur zum Bild wird fordert sie eine veränderte Sichtweise heraus: Die Funktionalität der Gebäude wird nebensächlich, der ästhetische Reiz in den Vordergrund gestellt. So auch in diesen Werken. Es sind Inszenierungen von Architektur, die sich zuallererst durch eine exzentrische, nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechende Farbgebung auszeichnen: Dunkelrot zum Beispiel ist die Zikkurat, hellgrün das Hotel King David. Die Wirkung: Die dargestellten Objekte erfahren durch diese starke Farbigkeit eine Verfremdung im Sinne einer emotionalen Aufladung und Romantisierung, werden auf eine höhere Ebene der Wirklichkeit, auf die Ebene des Traums gehoben. Eine Anmutung von Unnahbarkeit entsteht, räumlich sowie zeitlich. Verstärkt wird diese noch die durch die Verwendung des traditionellen Mediums der Ölmalerei. Eine Darstellungsweise, die in der heutigen Rezeption von Kunst zuweilen etwas Altmodisches, Naives hat, aber auch eine besondere Wertigkeit verleiht und ein Gefühl der Vertrautheit erzeugt, das die Bauwerke in einer inneren Gegenbewegung wieder näher an den Betrachter heranbringt.

Zweites, wesentliches Merkmal dieser Architekturinszenierungen ist die Reduktion der Bauwerke auf ihre Fassade. Diese wiederum wird in ihrer Darstellung stark vereinfacht, was zusammen mit den erhaltenen Strukturelementen auf einigen Bildern wie dem des Bodiam Castle beispielsweise geradezu kindlich-unschuldig wirkt. Auch diese Art der Idealisierung rückt die Gebäude in eine Ferne, hier insbesondere in eine emotional-zeitliche und weckt zugleich, ähnlich wie oben beschrieben, Empfindungen von Nähe und Vertrautheit. Mit den sporadischen Andeutungen von Perspektive wird spielerisch umgegangen, die Details der Architektur sowie der städtische und geographisch-kulturelle Kontext spielen gar keine Rolle mehr. Statisch, isoliert, monumental schweben die Bauwerke scheinbar schwerelos im leeren Raum. Sie sind wie eigenständige Persönlichkeiten, wie beseelte Wesen, die dem Betrachter gleichsam aus dem Nichts heraus entgegentreten und ihm offen und unmittelbar anbieten, sich in ihnen zu erkennen. Es ist, als blickten ihn Gesichter an, sozusagen architektonische Ikonen, ein Eindruck, der auf die innere Bedeutungsebene dieser Werke verweist. Es geht um Identität, – zum einen um die spezifische Identität des Bauwerkes und seine architektonische Individualität, die durch diese Konzentration auf die Grundstruktur verdeutlicht wird, zum anderen um das Thema menschlicher Identität.

Dabei ist es die monochrome Fläche als drittes wesentliches Bildmerkmal, die trotz Zweidimensionalität vor allem anderen für die Wahrnehmung von Räumlichkeit und Tiefe sorgt. Den Topos der Unendlichkeit verbildlichend leuchtet sie durch diese Konstrukte der Identität hindurch und transzendiert sie. Die Scheinhaftigkeit von Identität oder die Annahme von Identität als etwas vorgestelltem wird sichtbar. Die Häuser wirken wie Epiphanien, die wiederum auf das Thema von Zeitlichkeit und Vergänglichkeit verweisen.

In der Spannung von Raum zum in ihr befindlichen Körper wird in diesen Arbeiten letztlich die fundamentale Paradoxie menschlichen Seins bzw. In-der-Welt-Seins verdeutlicht. Im Vordergrund das Haus als Symbol von Ich und Identität, das ohne Form nicht denkbar ist und an dem sich Geschichte vollzieht, im Hintergrund das unendliche Ewige, das Nichts, aus dem alles kommt und in dem alles wieder verschwindet. Nach wie vor scheint der Conditio humana des zumindest europäischen Menschen allen neuzeitlichen theoretischen Bemühungen zum Trotz von dieser von Platon im abendländischen Bewusstsein etablierten Dichotomie von Geist und Materie – Stichwort Leib-Seele-Problem – geprägt zu sein. In der Wahrnehmung der vorliegenden Architekturbilder wird jene Seinsweise gespiegelt und kann reflektiert und bewusster erfahren werden.

Basilica Palladiana, 2013
Öl auf Leinwand
120 x 90 cm

Basilica Palladiana oder Pallazo della Regione
Vincenza, Italien
Architekt Andrea Palladio
Bauzeit 1546 –1549 (bis 1617, abweichende Angaben)
öffentliches Gebäude
Fassade weißer Marmor
Renaissance
seit 1994 UNESCO Weltkulturerbe

Die Basilica Palladiana ist das Gebäude, mit dem die Karriere des bekannten italienischen Architekten Andrea Palladio begann. 1546 erhielt er den Auftrag, das Rathaus von Vincenza, den Pallazo della Regione, einen gotischen Backsteinbau, neu zu gestalten. Zu diesem Zweck umhüllte er ihn auf zwei Stockwerken mit umlaufenden Säulengängen, bei denen das Motiv des sogenannten Serliana-, Serlio- oder Venezianischen Fensters monothematisch wiederholt wird. Palladio orientierte sich hierbei an den Ideen des römischen Architekturtheoretikers Vitruv (1. Jahrhundert vor Chr.) bzw. an dessen „Zehn Büchern über Architektur“, dem einzig erhaltenen antiken Werk über Architektur. 

Für das Bild wurde eine vereinfachte Darstellung der sonst dreigliedrigen Fenster gewählt. Durch die Aneinanderreihung von jeweils neun Fenstern auf einer Etage erhält die Fassade den typischen klassizistischen Charakter.

Bühnenbild von Bernardino und Fabrizio Galliari, 2013
Öl auf Leinwand
120 x 90 cm

Theaterszene. Entwurf von Bernardino und Fabrizio Galliari
zwischen 1742 -1782
Mailand, Italien
Rokoko

Die Brüder Fabrizio Galliari (1709-1790) und Bernardino Galliari (1707-1794) waren italienische Fresken- und Theatermaler aus dem Piemont. Von 1742 bis 1782 schufen sie acht Bühnenbilder für die Mailänder Oper. Für jedes Bühnenbild fertigten sie verschiedene Entwürfe. Die Reproduktion eines Stichs wahrscheinlich aus jener Zeit diente dem Bild als Vorlage. Es ist dem Buch „Das große Welttheater. Die Epoche der höfischen Feste“ von Richard Alewyn (C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1985) entnommen.

Bodiam Castle, 2014Öl auf Leinwand
Öl auf Leinwand
120 x 90 cm

Bodiam Castle
East Sussex, England
Erbauer Edward Dalyngrigge
Bauzeit 1385 – 1392
Ruine einer Wasserburg
Sandstein
Mittelalter

1385 erhielt Ritter Sir Edward Dalyngrigge die königliche Erlaubnis sein Anwesen, bestehend aus zwei Holzhäusern, zum Schutz vor ausländischer Invasion umzubauen. Die Burg, die er daraufhin errichtete, musste sich diesbezüglich zwar nie beweisen, brannte während der englischen Bürgerkriege allerdings völlig aus und wurde nicht wieder aufgebaut. Heute steht fast nur noch die Fassade. Mit dem beinahe quadratischen Grundriss und den Türmen an den Ecken entspricht das Gebäude dem Klischeebild einer mittelalterlichen Wasserburg und diente in Film und Fernsehen bereits als Kulisse. Mittlerweile wird vermutet, die Absicht des Erbauers war weniger der Verteidigungszweck als vielmehr der Prestigegewinn. Unterstützt wird diese Annahme von der Tatsache, dass die oberen Fenster kleiner sind als die unteren, hier also die Technik der erzwungenen Perspektive benutzt wurde, um das Gebäude von Ferne größer erscheinen zu lassen. Einer Technik, die übrigens auch die Architekten von beispielsweise Cinderella’s Castle in Disneyland verwendeten.

Zikkurat des Mondgottes Nanna, 2014
Öl auf Leinwand
240 x 90 cm

Die Zikkurat des Mondgottes Nanna
Ur, Mesopotamien, heute Irak
Erbauer König Urnammu, sein Sohn Schulgi, König von Ur
Bauzeit ca. 2100 v. Chr. bis 2047-1999 v. Chr.
pyramidenartiger Stufentempel
ungebrannte (innen) und gebrannte Lehmziegel (außen)
sumerisch

Die Zikkurat des Mondgottes Nanna ist das wichtigste und bekannteste Bauwerk der ehemaligen Hafenstadt Ur und war Vorbild zahlreicher weiterer Zikkurate, von denen aber nur noch wenige erhalten sind. Berühmt war seinerzeit die Zikkurat von Babylon, die als „Turm von Babel“ in der Bibel beschrieben wird, von der allerdings außer dem Fundament, das Anfang des 20. Jahrhunderts archäologisch nachgewiesen werden konnte, nichts mehr übrig ist. Und auch die Zikkurat des Mondgottes wurde im Laufe der Jahrhunderte erheblich beschädigt: Der Tempel, der den Stufenbau einst krönte, ist zerstört, Verschalungen und Ziegel wurden – oft um Privathäuser damit zu bauen – abgetragen.

Der Dreistufenbau hat eine Höhe von 25 Metern und eine Basislänge von 62,5 mal 43 Metern. Die erste und unterste Stufe ist 11 Meter hoch, die zweite 5,7 Meter, die dritte 2,9 Meter.

Die Verehrung des Mondes besaß in den altorientalischen Kulturen eine große Bedeutung, und je nach Kultur bildeten sich unterschiedliche Mythen aus. In Mesopotamien bei den Sumerern hieß der Mondgott Nanna und war der Vater des Sonnengottes Utu, was seine Vormachtstellung deutlich machte. Durch das Phänomen des Zu- und Abnehmens des Mondes war der Gott identifiziert mit dem Thema der Natur, der Fruchtbarkeit, des Todes bzw. der Unterwelt. Sein Symbol war die waagerechte Mondsichel, die wie ein Boot über den Himmel zieht. Die Zikkurat war der heilige Ort, an dem Himmel und Erde miteinander verschmolzen und der Mensch seinem Gott begegnen konnte.

Festmahl im kleinen Park von Versailles, 2014
Öl auf Leinwand
120 x 90 cm

Festmahl im kleinen Park von Versailles. Kupferstich von Pierre Lepautre
1678
Frankreich
Spätbarock/Rokoko

Der Kupferstich, der als Vorlage diente und Richard Alewyns Werk „Das große Welttheater. Die Epoche der höfischen Feste“ entnommen ist, hängt im Kupferstich-Kabinett der Kunstsammlung Dresden. Er wird dem Pariser Pierre Lepautre zugeschrieben, einem Bildhauer, der von 1659 oder 1660 bis 1744 lebte. Möglich aber auch, dass er aus der Hand seines etwas älteren Cousins (1648-1716) stammt. Dieser hieß ebenfalls Pierre Lepautre, war Kupferstecher und gilt als Wegbereiter des französischen Rokoko. 1699 wurde letzterer „Chef-Designer“ der französischen Monarchie und dokumentierte mit seinen Stichen den gesamten Versailler Schlosskomplex inklusive der Gärten zu Zeiten Ludwig des XIV. („Les plan, coupes, profils et elevations des Chapelle du Chateau Royale des Versailles“ und „Les plan, profils et elevation des Ville et Château des Versailles: avec les bosquets et fontaines, tels quils sont a present, levez sur les lieux, dessinez et gravez en 1714 et 1715“). Der Kupferstich „Festmahl im kleinen Park von Versailles“, auf dem eines der berühmten Versailler Parkfeste Ludwig des XIV., mit denen jener seine Macht demonstrierte, abgebildet ist, könnte gut zu diesem Zyklus gehören. Das Bild von 2014 konzentriert sich auf die Architektur, zeigt eine vereinfachte Version des dargestellten Pavillons.

Chateau Marmont Hotel, 2014
Öl auf Leinwand
100 x 100 cm

Chateau Marmont Hotel
Los Angeles, USA
Architekt Arnold A. Weitzman
Baujahr 1929
Appartementgebäude, seit 1930 Hotel
seit 1976 in der Liste der Los Angeles Historical-Cultural Landmarks

Das Chateau Marmont Hotel hat so viele Stars beherbergt und inspiriert, es ist selbst schon ein Star. Sofia Coppola, James Franco, Lana Del Rey, um einige aktuelle Namen zu nennen, nahmen in ihrer künstlerischen Arbeit Bezug auf das Hotel. Britney Spears hat Hausverbot, nachdem sie sich hier Essen ins Gesicht schmierte (!), Lindsey Lohan, weil sie ihre Rechnungen nicht bezahlte. Unzählige Liebschaften sollen sich in diesem Ort abgespielt haben. Jonny Depp behauptete, er habe mit Kate Moss Sex in allen Zimmern des Hotels gehabt; Scarlett Johannsen soll Benicio Del Toro schon im Fahrstuhl die Kleider vom Leib gerissen haben. Dennis Hopper, so erzählt man sich, veranstaltete in den frühen 70ern hier Orgien mit bis zu fünfzig Frauen…
Die Liste der prominenten Gäste ist endlos: Rudolph Valentino, Hedy Lamarr, Berthold Brecht, Billy Wilder, Marylin Monroe, James Dean, Hunter S. Thompsen, Charles Bukowski, Errol Flynn, Humphrey Bogart und und und. Das Marmont umgibt aber auch das Flair des Geheimnisvollen, Schicksalhaften. So starb beispielsweise John Belushi 1982 hier an in einem der Bungalows an einer Überdosis, Helmut Newton verunglückte mit seinem Wagen direkt vor der Tür.
1929 war das Chateau Marmont, so genannt nach der Marmont Lane, an der es liegt (neben dem Sunset Boulevard), das erste erdbebensichere Gebäude von Los Angeles und hat in den folgenden Jahrzehnten diversen Erschütterungen auch stets standhalten können. Vorbild war das französische Schloss Amboise an der Loire aus dem 15./16. Jahrhundert, ehemals Königsresidenz, später Staatsgefängnis, heute Museum. Die äußere Fassade des vielgestaltigen Schlosskomplexes, das der Renaissance zuzuordnen ist, thront hoch über dem Fluss wie eine mittelalterliche Trutzburg. Ein Eindruck, den auch das Hotel vermittelt.

King David Hotel, 2014
Öl auf Leinwand
120 x 90 cm

King David Hotel
Jerusalem, Israel
Architekt Emil Vogt (Schweiz)
Bauzeit 1929-1931
5-Sterne-Hotel
lokal abgebauter, rosafarbener Kalkstein
seit einigen Jahren gehört es zu den „Leading Hotels of the World“
geleitet wird es momentan von der Dan Hotels Gruppe

Das King David Hotel liegt in der King-David-Street im Zentrum Jerusalems im exklusiven Viertel Yemin Moshe mit Blick auf die Altstadt und den Berg Zion. Finanziert wurde das Luxushotel seinerzeit von jüdischen Bankiers aus Ägypten. Traurige Berühmtheit erlangte es 1946, als der komplette Südflügel, in dem damals die Kommandozentrale der britischen Mandatsmacht untergebracht war, von Terroristen in die Luft gesprengt wurde. Zwei Jahre später wurde das King David Hotel – nun mit zwei Etagen mehr – wiedereröffnet. Über 90 Menschen starben damals. Verantwortlich war die jüdische Untergrundorganisation „Irgun Zwai Leumi“. Ihr Chef Menachim Begin wurde drei Jahrzehnte später israelischer Ministerpräsident und traf hier 1977 den damaligen ägyptischen Präsidenten al-Sadat zu Friedensgesprächen. Über die Jahre war das Haus immer wieder Schauplatz historischer Ereignisse, so z. B. 1994, als der Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien unterzeichnet wurde. Es beherbergte unzählige Monarchen und hochrangige Staatsmänner wie Clinton und Barack Obama. Anlässlich des Besuches des Präsidenten 2013 wurde das Haus mit seinen 215 Zimmer und Suiten für zwei Tage komplett gesperrt. Allerdings: serviert wurde auch für den amerikanischen Gast nur koscheres Essen.